« Die Schweden – umgänglich, aber distanziert | Home | Ratgeber: Leben und arbeiten in Schweden »
Kurioses und Besonderes in Schweden
Von admin | 23.Juli 2009
Jeder Schwede ist eine Nummer – auch Sie werden eine sein! Denn ohne die schwedische Personennummer geht in Schweden gar nichts. Gut verzichten können die Schweden hingegen auf die Einmischung in internationale Angelegenheiten – mit ihrer Neutralität haben sie sich manchen Ärger erspart. Einige schwedische Besonderheiten:
Die schwedische Personennummer
Ohne die schwedische Personennummer (personnummer) ist man nichts und ohne sie läuft nichts. Schweden bekommen die Personennummer unmittelbar mit der Geburt, Ausländer, wenn sie sich in Schweden anmelden, dann allerdings zunächst nur als eine provisorische Organisationsnummer. Sie besteht aus dem Geburtsdatum (jjmmtt), dann folgt ein Bindestrich, ist der Betroffene über 100 Jahre alt ist es ein Pluszeichen, sowie weitere vier Ziffern. Die ersten beiden sind willkürlich gewählt. Die zweitletzte Zahl identifiziert das Geschlecht: ungerade für Männer, gerade für Frauen. Die letzte ist eine kompliziert ermittelte Kontrollziffer.
Die Nummer gilt ein Leben lang
Die schwedische Personennummer gilt ein Leben lang, sie ändert sich nie. Auch der König hat eine schwedische Personennummer. Ohne schwedische Personennummer gibt es keinen Arbeitsplatz in Schweden und kein schwedisches Bankkonto, keinen schwedischen Führerschein und keinen schwedischen Mietvertrag, keinen Kredit in Schweden und kein Telefon in Schweden.
Hintergrund-Informationen zur Personennummer
Die rigorose Anwendung der schwedischen Personennummer wird offiziell mit der relativ geringen Nachnamensvielfalt begründet, es könnte zu leicht zu Verwechslungen kommen. Die 22 ersten der hundert am weitesten verbreiteten schwedischen Nachnamen enden mit –son, insgesamt sind es unter diesen hundert fast die Hälfte, 46. Alleine im Stockholmer Telefonbuch belegen die Anderssons 33 Seiten und ungefähr hundert von ihnen hören auch noch auf den Vornamen Sven.
Snus in Schweden
Snus, ausgesprochen snüs, und nicht übersetzbar, wird als Feuchttabak beschrieben. Diese klebrige Tabakmasse schieben sich vor allem – 22% – schwedische Männer, aber auch immer mehr schwedische Frauen, bisher 4%, erbsengroß aus einer Kautabakdose entweder selbst gedreht oder in einem kleinen Netz zwischen Zahnfleisch und Oberlippe. Dies soll vor der Rauchbegier schützen, die Meinungen der schwedischen Experten gehen allerdings weit auseinander. Die EU ist skeptisch. In Europa ist der Snus-Verkauf verboten. Mit einer Ausnahme: Schweden.
Gekaufter Sex ist verboten
Sexköpslagen in Schweden, Gesetz zum Verbot des Kaufs sexueller Dienste. Prostitution ist in Schweden legal, aber es ist für einen Mann verboten, zu einer schwedischen Prostituierten zu gehen. Schweden war das erste Land der Welt, das 1999 ein derartiges Gesetz erließ. Verstöße werden mit Geldstrafe oder höchstens sechs Monaten Gefängnis geahndet. Laut schwedischen Experten ist durch diese Maßnahme zwar die Straßenprostitution in Schweden stark reduziert worden, sie tauchte aber in anderer Form im schwedischenInternet wieder auf. Ermittlungen und Beweisführung ist in diesen Fällen für die schwedische Polizei nicht einfach: „Wir müssen die schwedischen Männer erwischen, wenn sie die Hose herunter haben“, beschreibt einer das Dilemma.
Neutralität, neutralitet.
Wohl – nach schwedischer Demokratie – das gewichtigste Wort im schwedischen Staatsgeschick. Nachdem Schweden 1809 Finnland an Russland verloren hatte, begann eine beeindruckende ununterbrochene Friedensperiode, die seit dem Zweiten Weltkrieg Schweden Wohlstand und kaum Konflikte bescherte. Das Kernstück der schwedischen Außen- und Sicherheitspolitik war: Im Frieden allianzfrei, um im Krieg neutral sein zu können. Die schwedische Praxis war anders: Während des Krieges war Schweden für Nazi-Deutschland ein unentbehrlicher Rohstoff- und Güterlieferant und erlaubte zudem den Transport deutscher Truppen, und nach dem Krieg hatte sich Schweden in geheimen Vereinbarungen einen festen Platz unter dem Atomschirm der USA und Nato gesichert, schließlich würde „der Westen“ keine Besetzung Schwedens durch die Sowjetunion hinnehmen. Nur dem Volk wurde immer noch das Bild von der unverbrüchlichen und so segensreichen Neutralität vorgegaukelt. Der „große Bluff“ flog offiziell erst 1998 auf, als eine „Neutralitätskommission“ ihren Bericht veröffentlichte. Ihr wichtigstes Ziel hatten die Regierungen jedoch erreicht: Schweden aus militärischen Konflikten herauszuhalten.
Heute ist das Wort Neutralität aus dem schwedischen außen- und sicherheitspolitischen Codex gestrichen, an der Allianzfreiheit wird jedoch aus recht fadenscheinigen Gründen weiterhin festgehalten, zumindest formell. Die Nato-Prämisse „ein Angriff auf ein Mitgliedsland gilt als Angriff auf alle“ passt den Schweden – noch – nicht so recht ins Konzept. Aber in verschiedenen Weltteilen arbeitet Schweden bereits eng mit der Nato und einigen ihrer Mitglieder zusammen.
Nato-Beitrittsdebatte in Schweden
Eine Nato-Beitrittsdebatte in Schweden gilt als „nicht aktuell“, eine Mehrheit der schwedischen Bürger wäre auch dagegen. Wie beim Euro: Man ist in Schweden so stolz, anders als die Anderen zu sein. Und auch wenn derzeit keine akute Gefahr eines militärischen Angriffs besteht, ist man sich in Schweden zudem weiterhin sicher: Das Bündnis würde die Schweden ja sowieso nicht im Stich lassen.
Das schwedische Jedermannsrecht, allemansrätt.
Hierauf sind die Schweden zu Recht besonders stolz. Es gibt dem schwedischen Bürger die Möglichkeit, sich in schwedischem Wald und Flur oder an schwedischen Stränden weitgehend frei zu bewegen. Waldfrüchte und Pilze in Schweden gehören nicht dem Waldbesitzer, sondern sind Allgemeingut. Ein schwedischer Waldbesitzer kann zwar das Befahren „seiner“ Wege mit Autos verbieten, aber nicht dem Fußgänger, Fahrradfahrer oder Reiter. Es darf auch frei gezeltet werden. Allgemein gilt dieses schwedische Recht, bis man in die Sichtweite eines bewohnten Hauses kommt.
Anrede und Titel, tilltal och titlar in Schweden:
Das Du wurde Ende der 60 Jahren als allgemein übliche Anrede in Schweden eingeführt. Es löste eine ziemlich komplizierte Anrede in dritter Person oder mit Titel ab. Alles im Zeichen des Gleichgestellung, der Demokratie und einer modernen Lebensweise. Auch wenn das Du allgemein akzeptiert ist, gibt es ohne festgeschriebene Regeln doch auch Ausnahmen in Schweden. Da ist vor allem das Ni, etwa das deutsche Sie. Vor der Du-Reform galt die Ni-Anrede in vielen Kreise sogar als unhöflich, jetzt ist es nach Ansicht einiger schwedischer Sprach- und Ethikexperten auf dem Vormarsch, um eine gewisse Distanz (im Alter) oder Respekt zu unterstreichen. Einige wollen in dem Ni auch eine Demonstration gegen eine allzu weit gegangene Informalität sehen. Allerdings, spricht Sie in Schweden jemand mit Du an, sollten Sie dies annehmen und auf keinen Fall mit Ni antworten. Auffallend ist die Rückkehr des Ni im Briefverkehr mit schwedischen Behörden. Sollten Sie König, Königin oder Kronprinzessin vorgestellt werden, gilt zuerst die Anrede in dritter Person, danach kann auch das Ni verwendet werden.
Tipp
Viele weitere Besonderheiten Schwedens und Erfahrungsberichte von Deutschen dort gibt es im Ratgeber “Leben und arbeiten in Schweden”: http://www.auswandern-infos.com/leben-arbeiten-schweden-p-1431.html
Tags:Arbeiten in Schweden, Behörde, Besonderheiten Schweden, das erste, der welt, hundert, Personennummer, prostitution, Schweden, Schwedische, Snus, stockholm, Verbot Prostitution SchwedenTopics: Schweden | Kein Kommentar »