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Die Schweden – umgänglich, aber distanziert
Von admin | 23.Juli 2009
Wie ist der typische Schwede? Genauso wenig einzuordnen wie “der Deutsche”. Trotzdem gibt es so manches, was die Schweden untereinander gemeinsam haben. Ein Hang zur strikten Einhaltung gesellschaftlicher Formen gehört ebenso dazu wie die Tendenz, ungern offen Meinungsverschiedenheiten auszudiskutieren.
Umgänglich, aber distanziert
Einen guten Rat zu Beginn: Nähern Sie sich Ihren schwedischen Nachbarn und Arbeitskollegen mit Bedacht. Überlassen Sie es zunächst den Schweden, die Form des Umgangs mit Ihnen zu bestimmen. Laden Sie die Schweden nicht gleich am zweiten Tag „auf ein Bier“ nach Hause ein, schmeißen Sie nicht bei der ersten Gelegenheit in der Kneipe eine Runde und vertreten Sie in Diskussionen Ihre Meinung zurückhaltend und nicht laut-rechthaberisch.
Schweden sind umgängliche Menschen
Schweden sind recht umgängliche Leute, aber nicht unbedingt in unserem Sinne. Obwohl sich alle duzen, bedeutet dies keineswegs spontane Freundschaft und schon gar nicht Kumpanei. Die Schweden gehen in fast allen Lebenslagen auf eine gewisse Distanz. Die Schweden öffnen sich nur behutsam. My home is my castle gilt nicht nur für die Engländer sondern auch – gleichermaßen strikt – für die Schweden.
Schuhe aus in Schweden
Ja, Sie sollten sich die Schuhe ausziehen, wenn Sie in ein schwedisches Heim eingeladen werden. Die schwedische Regel ist, dass man ein Extrapaar dabei hat. Ist es ein spontaner Besuch, bleiben nur die Socken und Strümpfe. Ausnahme, die schwedische Gastgeberin sagt ausdrücklich, dass Sie die Straßenschuhe anbehalten können. Übrigens auch bei der Wohnungssuche in Schweden betritt man nicht die Wohnung/das Haus mit Straßenschuhen. In schwedischen Arztpraxen liegen häufig Schuhüberzieher aus Plastik aus, die man vor allem bei schlechtem Wetter anwenden sollte.
Immer die Form wahren
Erhalten Sie eine schriftliche Einladung eines Schweden, sollten Sie schriftlich antworten. Spricht der schwedische Gastgeber irgendwo darüber, dass er Gäste haben wird, wird er häufig sagen: „Wir haben Fremde.“ (Vi har främmande). Nur bei sehr guten Freunden wird er sagen: „Vi har vänner“. Die schwedischen Gastgeber Gastgeber wollen sich bei dieser Gelegenheit von ihrer besten Seite zeigen und strengen sich vor allem bei Einladungen zum Abendessen sehr an. Dies beginnt bei der Wahl der Gerichte und geht weiter über die Tischdekoration bis zu den Getränken, obwohl Sie nicht enttäuscht sein sollten, wenn es zum Kaffee keinen Cognac oder Whisky gibt. Zu dieser Präsentation gehört auch ein perfekt aufgeräumtes Haus, weswegen es nicht sehr häufig zu Spontaneinladungen kommt. Laut einer Umfrage ist die größte Sorge der Schweden (40%), ein „ordentliches“ Heim präsentieren zu können. Schließlich möchten sie, vor allem bei Erstbesuchern, gern auch zum Haus- oder Wohnungsrundgang (husesyn) einladen.
Klare Rollenverteilung in Schweden
Beim Abendessen fällt unter den Gästen einer Person eine besondere Rolle zu: Derjenigen, der der Stuhl links von der schwedischen Gastgeberin angeboten wird. Ab sechs Personen, so die allgemeine Regel, wird von der Person auf diesem Ehrenplatz erwartet, dass sie sich spätestens beim Nachtisch im Namen aller Gäste für Einladung, „vorzügliche Speisen und Getränke“ (in dieser Situation sind diese immer vorzüglich, „so etwas habe ich noch nie gegessen“ oder „fantastisch zubereitet“) und nette Gesellschaft zu bedanken. Diese Dankesrede (tacktal) dürfen Sie ganz einfach nicht vergessen. Sie haben ja während der gesamten Mahlzeit Gelegenheit, sich Gedanken darüber zu machen. Sollten Sie den Eindruck erwecken, dass Sie sich Ihrer Ehrenpflicht nicht bewusst sind, werden die übrigen Gäste Sie mehr oder weniger diskret auf Ihren Auftrag aufmerksam machen. Und nach ein paar Tagen sollten Sie sich auch noch mal schriftlich für den „herrlichen Abend mit dem fantastischen Essen und der netten Gesellschaft“ bedanken.
Konsens in Schweden
Eine Schlüsseleigenschaft im Umgang der Schweden ist Konsens (konsens oder samforstånd). In allen Lebenslagen wird versucht, einen gemeinsamen Nenner zu finden, keine aggressive Argumentation zu führen und Konfrontationen zu vermeiden. Manchmal wünscht man sich, dass in einer Konversation jemand wirklich auf seinem Standpunkt beharrt und ihn vehement verteidigt. Aber meistens wartet man vergebens. Das Diskussionsklima – im schwedischen Berufsleben wie im gesellschaftlichen Umgang – ist aus der Sicht eines Deutschen oft recht lahm.
Zugegeben, die Schweden sind mit dieser Mentalität recht gut gefahren, und sicherlich werden Sie, wenn Sie die ersten Erfahrungen gesammelt haben, sich auch eingestehen, dass diese Einstellung viel Positives hat, aber hin und wieder fragt man sich doch, wo die Schweden ihr Aggressionsventil haben, wo sie „Dampf ablassen“.
Kein Körperkontakt, keine Gespräche mit Fremden in Schweden
Die Schweden mögen offenbar das Schlangestehen. Ob an der Bushaltestelle, vor dem Geldautomaten oder in schwedischen Geschäften. Bei mehr als drei wartenden Personen wird eine Schlange gebildet. Die schwedische Gesellschaft der Schlangesteher (kösamhället) setzt besonders hier auf Ordnung und eine gewisse Höflichkeit. Gedränge ist verpönt, vielleicht liegt dies auch daran, dass Körperkontakt mit Fremden nicht gerade gesucht wird. Verpönt ist allerdings auch das Gespräch mit Fremden. Sowohl in der Schlange als auch in Bus oder U-Bahn verstecken die Schweden sich so schnell wie möglich hinter einer Zeitung, einem Buch oder pressen das Handy ans Ohr. Wichtig ist das Signal: Ich will nicht angesprochen werden!
Tipp für Schweden
Viele weitere Besonderheiten Schwedens und Erfahrungsberichte von Deutschen dort gibt es im Ratgeber “Leben und arbeiten in Schweden”: http://www.auswandern-infos.com/leben-arbeiten-schweden-p-1431.html
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9.Oktober 2009 at 15:38
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